AUS DER GESCHICHTE DER UNIFORM

Die Bezeichnung Uniform in der heute üblichen Bedeutung ist erst ungefähr 300 Jahre alt. Man versteht darunter eine Gesamtheit, ein ganzes von Bekleidungsteilen, das für eine bestimmte Gruppe von Soldaten nach genauen und gleichen Vorschriften angefertigt worden ist und getragen werden muss. Die Uniform kennzeichnet ihren Träger unverwechselbar als Soldaten und hebt ihn aus der Menge der verschiedenartig gekleideten Zivilbevölkerung heraus. Selbstverständlich werden die Bestandteile der Uniform von der bürgerlichen Kleidung in Form und Tragart stark beeinflusst. Doch verwendete die Uniform unter anderem stets dickere Stoffe, die gegen die Unbill der Witterung, aber auch gegen Hieb und Stich einigen Schutz boten.

Während sich der Grundsatz der gleichen Bewaffnung innerhalb einer Abteilung bereits vor dem dreissig jährigen Krieg durchgesetzt hatte, vollzog sich die Vereinheitlichung der Bekleidung erst im Zeitalter des Absolutismus. Die Kompanie wurde nun von ihrem Hauptmann, das Regiment von seinem Oberst angeworben und aufgestellt, und diese Offiziere wurden für das Unternehmen vom Kriegsherrn bezahlt und blieben ihm für den kriegstauglichen Zustand der Mannschaft verantwortlich. Während sich der Kriegsknecht früherer Zeiten auf eigene Kosten ausstaffiert hatte, stellte nun der Kompanie- und Regimentsinhaber nach der Abnützung oder dem Verlust der mitgebrachten zivilen Kleidungsstücke neue Monturen zur Verfügung, die oft serienmässig hergestellt waren und in Schnitt, Stoffart und Farbe übereinstimmten. Der Regimentsinhaber bezahlte diese Uniformen; er bestimmte zunächst auch Qualität und Tuchfarbe, wobei vermutlich oft Zufälle, wie die vorhandenen Vorräte, eine grosse Rolle spielten. Nach Ablauf der Dienstzeit ging die Uniform ins Eigentum des Mannes über.

Die Fremdenregimenter des französischen Heeres waren zudem schon durch die Bestimmungen ihrer Kapitulation zum Tragen einer einheitlichen Kleidung verpflichtet. Das überall nachgeahmte Beispiel gleichartiger Einkleidung gab König Ludwig XIV. von Frankreich mit der Uniformierung seiner Haustruppen.

In den Jahren 169o und 1691 erschienen dann die bekannten Ordonnanzen des Kriegsministers Louvois, durch welche die Uniform als Soldatenbekleidung obligatorisch erklärt wurde. Sie setzten auch gleichen Stoff, gleiche Abzeichen und sogar die genaue Anzahl Knöpfe für die Angehörigen desselben Verbandes fest. Natürlich bezog sich diese Regelung nur auf die Montur der «Gemeinen». Die Offiziere, die alle aus dem Adel stammten, sträubten sich gegen diese Nivellierung, und selbst die Autorität Ludwigs XIV. blieb ihnen gegenüber lange machtlos.

Um 1700 bestand die Uniform aus einem Rock bei uns «Kasak» genannt, der über andere Kleidungsstücke getragen wurde und sich in Schnitt und Aussehen noch wenig von einem zivilen Oberkleid unterschied. Er war aus dem Wams hervorgegangen und wie dieses in seinem Oberteil der Körpergestalt einigermassen angeschnitten. Die Rockschösse fielen faltenreich und glockenartig bis auf die Knie hinunter. Die Ärmel verbreiterten sich nach vom, fielen über den Hosenrücken und mussten aufgekrempelt werden. Bei diesen zurück gestülpten Ärmeln, den Aufschlägen, trat nun das andersfarbige Rockfutter hervor, desgleichen beim Kragen, wenn man ihn umlegte.

Öffnete man die oberen Rockknöpfe, erschien der Hals, den man als wenig gefälligen Körperteil sogleich mit der Halsbinde oder Krawatte wieder bedeckte. Man schlug sie zweimal um den Hals und liess die beiden Enden auf die Brust hinunterhängen.

Den Rock trug man meist über eine fast ebenso lange, aber ärmellose Weste - bei uns meist «Kamisol» genannt -, die dem Wollhemd der Bauerntracht entsprach.

Namentlich in Deutschland übernahm der Soldat die weiten Pluderhosen der Bauerntracht. In Frankreich bürgerten sich diese nie im gleichen Masse ein, sondern hier trug der Soldat kurze, enge Hosen, die unterhalb des Knies mit einem Hosenband zusammengebunden wurden. Über das Knie hinaufzog er lange, dicke Strümpfe.

Als Kopfbedeckung diente der breitrandige schwarze Filzhut, dessen Krempe nun - damit sie im Kampf weniger hinderlich sei - zuerst auf einer, dann auf zwei und schliesslich auf drei Seiten aufgebogen und in dieser Stellung mit Schnüren festgehalten wurde. Noch vor dem Ende des 17. Jahrhunderts war damit der Hut mit den drei Ecken oder Hörnern, der Dreispitz, geboren. Dann wurde der Rand der Krempe mit einem weissen Band, der Hutborte, eingefasst und verstärkt; dagegen verschwand der, üppige, wallende Federschmuck aus der Zeit des dreissig jährigen Krieges.

Eiserne Helme fanden sich zu weilen. noch in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts, namentlich bei den kaiserlichen Truppen und ihren Hilfsvölkern im Kampfe gegen die Türken.

Bis in das erste Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts sah man noch Mannschaften mit Brust- und Rückenpanzer, allerdings nur bei den Pikenieren oder Spiessträgern, die kurz darauf endgültig verschwanden, und bei besonderen Reiterabteilungen der schweren Kavallerie. Später schnallten sich Offiziere, wenn sie sich porträtieren liessen, den Panzer unter den Rock als Wahrzeichen ihrer ritterlichen Herkunft. Schliesslich blieb von der ehemaligen Rüstung nur der versilberte oder vergoldete Halbmond, den man Ringkragen oder «haussecol» nannte. Weil man dieses Abzeichen der diensttuenden Offiziere auch in dieser verkümmerten Form als schwer und hinderlich empfand, legte man es nur noch zu Paraden und Revuen an.

Die Uniform zeigte schon in ihren Anfängen mehr farbige Flächen als die zeitgenössische Kleidertracht. In der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts wurde die bisher graue Farbe des Rockstoffes heller. Nach dem Tode Ludwigs XIV. wandelte sie sich in Frankreich zu einem grauen Weiss, unter Ludwig XVI. sogar zum reinen Weiss.

Seit etwa 1715 begann der Soldat, die unteren Ecken der Rockschösse umzulegen und zusammen zu haken, so dass nun auch an dieser Stelle das andersfarbige Rockfutter sichtbar wurde. Um die Jahrhundertmitte war das Umschlagen der Schossecken allgemein üblich geworden, und zwar nicht nur bei den Soldaten, sondern auch bei den Livreen von Kutschern, Lakaien und anderen Herrschaftsdienern.

Bei den stehenden Truppen wurde es üblich, auf dem Marsch die Vorderseiten des Rockes von oben bis unten offen zu tragen. Schliesslich wurden die Seiten der Länge nach zurückgeschlagen und in dieser Lage befestigt. Damit erschienen die farbigen Brustklappen, die ebenfalls die leuchtende Farbe des Rockfutters sehen liessen, und die man von Anfang an mit je sieben Knöpfen befestigte. Damit man den Rock doch noch, wenigstens eine Strecke weit, schliessen konnte, nähte man über der Körpermitte, wo die beiden umgeklappten Vorderseiten aneinander stiessen, eine Reihe kleiner Haken und Haften an, sogenannte Agraffen.

Wie der Rock als Ganzes, so wurden nun auch die Ärmel weniger weit geschnitten und konnten deshalb auch weniger hoch aufgeschlagen werden. Die Ärmelaufschläge wurden also schmaler und weniger stoffreich. Damit ihre Lage stets die gleiche blieb, befestigte man sie mit Knöpfen auf dem Ärmel.

Von 1760 an wurden Hose und Weste weiss. Damit die Hose noch straffer und enger sass, zog man unterhalb des Knies drei Riemen übereinander zusammen: das Band des Hosenrohrs, das Strumpfband und den Gamaschen Riemen.

Nun erschienen auch die Überstrümpfe von schwarzem Tuch oder weissem Leinen, die man über die wollenen Strümpfe trug. Diese sogenannten «Getern» oder Gamaschen knöpfte man mit einer langen Reihe kleiner Knöpfe auf der Aussennaht zusammen.

Den Säbelgurt trug man nun unter dem Rock, d. h. man hakte ihn bei tiefer Taille über der Weste zusammen. Um 176o färbte man das bisher naturfarbene Leder- und Riemenzeug, den Patronentaschenriemen und den Säbelgurt, weiss und verfertigte sie schliesslich dann überhaupt aus weissem Leder. Auf die linke Schulter des Rockes nähte man eine tuchene Achselklappe (Achseldragoner) mit einem Knopf, die den breiten Patronentaschenriemen auf der Schulter festhielt.

Die Erfolge Friedrichs des Grossen im Siebenjährigen Krieg führten mancherorts zu einer Anlehnung an preussische Vorbilder auch im Uniformenwesen. Die neue Bekleidung war nun vielleicht einfacher, jedenfalls aber enger und knapper, wohl eleganter, aber weniger bequem. So vermochte der Rock Bauch und Unterleib von der Magengrube weg nicht mehr zu bedecken. Der vom Brustbein nach unten stark zurückgeschnittene Rock nahm die Gestalt eines Fracks oder Schwalbenschwanzes an und wurde zum «habit à la francaise», bei dem die Schösse nur noch auf der Rückseite zu hängen kamen.

Im preussischen Heere hatten alle Regimenter einen Namen, eine Nummer und eine besondere Farbe als Abzeichen. Die Grundfarbe war dunkelblau oder preussischblau. Kragen, Rabatten, Aufschläge, Schossumschläge dagegen zeigten die Farbe des Regimentes.

Dazu trug man allgemein die weisse Weste und die kurze weisse Hose mit den langen schwarzen Gamaschen, die über das Knie hinaufreichten.

Um dieselbe Zeit begann man die auf beiden Schultern sitzenden Achselklappen in der Abzeichenfarbe auszuführen, woraus sich die gefransten Epauletten entwickelten.

Die Aufschläge wurden nicht mehr länger am Unterärmel festgeknöpft, sondern angenäht, doch behielt man Knöpfe und Knopflöcher als Schmuck und Auszeichnung bei. Um das Hineinschlüpfen in den enger gewordenen Ärmel zu ermöglichen, musste man den Aufschlag an der unteren Naht auftrennen oder aufschneiden. Sass der Ärmel richtig, musste man nachträglich die Öffnung mit neuen, in senkrechter Anordnung angebrachten Knöpfen wieder schliessen. Durch das Auf- und Zuknöpfen sah der Aufschlag bald abgegriffen aus. Deshalb wurde 1791 der obere Teil der Aufschlagsöffnung durch einen Stoffstreifen in der Grundfarbe des Rockes verstärkt, d. h. durch eine Aufschlagspatte der Ärmelöffnung entlang. Auf ihrer freien Seite wurde sie von einem Vorstoss in der Abzeichenfarbe eingefasst. Die Patte trug drei oder mehr Knopflöcher, die den Knöpfen auf der unteren Seite der Öffnung des Aufschlags entsprachen.

Die weisse Hutborte des Dreispitzes liess den Hut noch kleiner und zierlicher erscheinen als bisher. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die vordere Ecke noch mehr nach oben gezogen und vorn nur noch schwach ausgebuchtet, die beiden seitlichen Ecken dagegen abwärts gebogen. So verwandelte sich der elegante Dreispitz in den napoleonischen Zweispitz. Verschiedenfarbige Bandschleifen, Rosetten oder Kokarden und metallene Namenszüge kennzeichneten seit ungefähr 1775 die Zugehörigkeit des Mannes zu einem Kriegsherrn, einem Fürsten, einem Land oder einer Stadt.

Die Grenadiere erschienen gegen das Ende der Herrschaft König Ludwigs XIV. Die vier kräftigsten und kühnsten Soldaten jeder Kompanie sollten die feindliche Schlachtlinie mit von Hand geworfenen Granaten in Unordnung bringen und so den Einbruch der nachrückenden Kolonne vorbereiten. Bei der Bewegung des Ausholens fiel jedoch der Dreispitz zu Boden, so dass sich eine eigene Kopfbedeckung für die Grenadiere aufdrängte. Zunächst stülpte man statt des Hutes die wollene Zipfelmütze, wie sie die Bauern trugen und wie sie die Soldaten im Quartier benützten, über den Kopf. Später brachte man ein kupfernes Stirnblech an, so dass die Zipfelmütze steil aufrecht stand und ein einheitliches Aussehen erhielt. Mit reich getriebenen Stirnblechen trugen die preussischen und russischen Grenadiere diese Mütze bei Paraden bis zum Ersten Weltkrieg. Anderswo umgab man die Zipfelmütze mit einem Fellturban, der auf der Stirnseite ebenfalls hoch hinaufgezogen wurde. Daraus entstanden die hohen Pelzmützen der Grenadiere Ludwigs XV., die Vorläufer der grossen Bärenfellmützen der kaiserlichen und königlichen Gardetruppen und der Sappeure. Die Zipfelmütze der übrigen Soldaten, der Füsiliere und Musketiere, hielt sich als Quartierkopfbedeckung und lebt heute noch als Policemütze weiter.

An der Bewaffnung änderte sich in dieser Zeit wenig. Frankreich führte 1777 ein verbessertes Steinschlossgewehr ein, das sogleich überall übernommen oder nachgeahmt wurde und mehr als ein halbes Jahrhundert lang die Hauptwaffe der Infanterie blieb. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts tauchte in allen Armeen das Dillenbajonett auf, das man zum Angriff über die Laufmündung schob, ohne dass es Schussabgabe oder Ladebewegung behinderte. Nun verschwand der Degen aus der Ausrüstung des Soldaten; nur Unteroffiziere und einige Spezialisten des Nahkampfes, wie die Grenadiere, erhielten einen kurzen Säbel, den «briquet», um dessen Griff ein Schlagband mit Quaste geschlungen wurde. Als 1776 der Leibgurt - angeblich aus Gesundheitsgründen -verschwand, legte man den Säbelriemen als Bandelier über die rechte Schulter. Das erforderte das Anbringen einer zweiten Achselklappe auf der rechten Schulter. Vom und im Rücken kreuzten sich die beiden breiten weissen Riemen, der Patronentaschenriemen und das Bandelier.. Dieses Lederzeug, die «buffieterie», engte die Brust des Mannes ein, schützte ihn aber auch einigermassen gegen Schüsse. Stellte man bei einem Marschhalt die Gewehre zur Pyramide zusammen, hängte man die Patronentaschen an den Bajonetten auf Unteroffiziere, Grenadiere und Jäger befestigten die Scheide des Bajonetts parallel zur Säbelscheide, die Füsiliere dagegen trugen sie (seit ungefähr 178o) am Patronentaschenriemen.

Trotz all diesen Regelungen blieben die Uniformen noch verschiedenartig genug. Zudem suchte man ohne Unterlass nach Verbesserungen an den Röcken und an den Kopfbedeckungen. Das erklärt, weshalb viele bildliche Darstellungen von den Vorschriften abweichen. Die Französische Revolution änderte vorerst am militärischen Kostüm einzig die Uniformknöpfe: statt der königlichen Lilien erhielten sie eine Regimentsnummer. Erst zwei Jahre nach dem Bastillensturm ersetzte man die königliche weisse Kokarde durch die dreifarbige. Im Jahre 1793 beauftragte der Nationalkonvent den Maler Jacques Louis David, einige Uniformenvorschläge vorzulegen. Er konnte sich aber dann nicht entschliessen in Frankreich ein griechisch-römisches Kostüm einzuführen, ausser für die Schüler der Kriegsakademie, der Marsschule.

Bei den Freiwilligen und der Nationalgarde stimmten zwar Form und Schnitt der Bekleidung noch mit den Uniformen der königlichen Armee überein, nicht aber die Farbe. Der weisse Rock wir nun dem blauen (bleu national) mit rotem Kragen und roten Aufschlägen mit blauen oder weissen Aufschlagspatten, mit weissen Rabatten, die rot vorgestossen waren. Dazu trug man den hohen Zweispitz, bald «en colonne», mit einer Ecke nach vorn, bald «en bataille», mit den Ecken seitwärts, mit der dreifarbigen Kokarde und mit einem farbigen Federbusch.

1793 entstanden die Halbbrigaden, zusammengesetzt aus einem weiss gekleideten alten Bataillon der ehemaligen königlichen Infanterie und zwei neuen Bataillonen von Freiwilligen in blauen Uniformen. Noch ein Jahrhundert lang nannten daher die Gedienten die Rekruten «les bleus». Die anfänglich notdürftig eingekleideten Rekruten aus dem allgemeinen Aufgebot trugen Beinkleider jeder Fasson, vor allem leinene Überhosen, die «pantalons», die zuerst unter dem Volk von Paris Verbreitung gefunden hatten. Sie trugen also nicht mehr die höfischen Kniehosen, die «culottes», wie die bisherigen Berufssoldaten, und erhielten daher den Namen «sans-culottes».

Da Feldzüge nun zu jeder Jahreszeit geführt wurden, verlor der Zweispitz seine steife Form und wurde 1806 durch den Tschako ersetzt, einen umgekehrten konischen Kegelstumpf aus Leder und mit Filz verkleidet, hoch und oben leicht ausladend, einem «pot à fleurs» nicht unähnlich. Auf seiner Stirnseite wurden metallene Abzeichen, Appliken und Plaketten Adler und Regimentsnummer angebracht. Weitere Unterscheidungsmöglichkeiten erlaubte der kugelförmige Pompon mit den in anderen Farben gehaltenen Wollflammen. Beim Füsilier bezeichneten die Farben des Pompons das Bataillon und die Kompanie. Die Grenadiere hielten im allgemeinen an ihrer Pelzmütze fest, während die Voltigeure einen gelben Kragen, grüne und gelbe Epauletten und Federbüsche erhielten.

Nach den zahlreichen Siegen Napoleons verbreitete sich auf dem Kontinent die französische Militärmode. Nur die reorganisierte preussische Armee entlieh einige besonders charakteristische Einzelheiten der russischen Armee; man fand sie in der Folge sogar in den Schweizer Kantonen: den zweireihigen Rock, der vorne übereinandergekreuzt getragen wurde, den Tschako mit dem vorne und hinten aufgebogenen Deckel, der an den russischen «Kiwer» erinnert, die dunkelgrünen langen Hosen usw. Nach den Verlusten im Russlandfeldzug musste Frankreich eine neue Armee aufstellen, was auch bei der Bekleidung zu einigen Neuerungen führte. Eine schonjahre zuvor von Napoleon eingesetzte Kommission mit Major Etienne Alexandre Bardin als Sekretär und Berichterstatter suchte die Uniform der beweglicheren Kriegführung anzupassen. So schuf sie als neues Kleidungsstück das «habit-veste», das die bisherige Weste mit dem Rock «à Ia francaise» kombinierte. Der neue Rock wurde oben vom Kragen weg bis unterhalb der Magengrube durch Hafte geschlossen, wobei die Rabatten unten rechtwinklig und waagrecht endeten. Links und rechts über den Hüften war der Rock stark zurückgeschnitten und endete mit Schössen, die nur noch knapp die Hinterseite des Körpers deckten. Für die Kavallerie wurden sie noch stärker gestutzt, was ihnen in der Schweiz den Namen «Schinkenklopfer» eintrug. Das Kleidungsstück, das in allen europäischen Staaten Eingang fand, hiess im deutschen Sprachkreis offiziell «Kollett».

Mit dem «habit-veste» war die Weste überflüssig geworden. Aber zum Exerzieren im Kasernenhof und für den Dienst im Quartier zog man neu eine Ärmelweste (Gilet) mit Kragen und Ärmelaufschlag in der Abzeichenfarbe, doch ohne Schösse, an. Man konnte diese Ärmelweste auch unter dem Kaputt tragen, während man den Paraderock in einem Stoffsack oder in einer Blechbüchse aufgerollt auf den Habersack oder Tornister schnallte.

Mäntel waren ursprünglich zwar nicht unbekannt, wurden aber nur von postenstehenden Schildwachen getragen und von diesen an die Ablösung weitergegeben. Die napoleonischen Feldzüge jedoch hatten bewiesen, wie unentbehrlich dem Soldaten ein Kleidungsstück war, das er über den Rock anziehen konnte. So kam nun unter der Bezeichnung «Kaputt» ein Mantel auf, der aber erst 1812 reglementiert und obligatorisch erklärt wurde. Er wies eine oder zwei Knopfreihen auf und wurde mit aufrechtem oder umgelegtem Kragen angefertigt. Nacheinander durchging er alle Farbnuancen vom dunklen Grau bis zum Hellbraun; in Frankreich und in der Schweiz wurde er schliesslich graublau und hellgraublau und blieb es bis zum Ersten Weltkrieg. Am Ende des Kaiserreiches verflügte also jeder Soldat über drei Kleidungsstücke: den Rock (habit-veste), die Ärmelweste und den Kaput.

Auch als sich der Tschako allmählich einbürgerte, blieb bei den Milizen der Schweizer Kantone noch lange der «runde Hut», «le chapeau corse», mit der links oder rechts aufgeschlagenen und hochgezogenen Krempe die übliche Kopfbedeckung. Wegen des hohen, steifen Blattes, auf dem man Kokarde und Waffenabzeichen anbrachte, hiess er «Zeittafelhut». Daneben blieb der Zweispitz über Jahrzehnte in verschiedener Ausführung und Höhe die Kopfbedeckung der Stabsoffiziere, schliesslich noch der nicht kombattanten Militärbeamten und der Ärzte.

Das auffälligste Merkmal der militärischen Tracht in der Zeit der Restauration war der eng in die Taille geschnittene, von oben bis unten fest geschlossene Frack mit hohem Kragen und langen Ärmeln, wobei die Schultern und die Brust mit Seegras, Rosshaar und Watte ausgepolstert wurden. Das verlieh dem Soldaten das gewünschte martialische Aussehen und bot ihm auch einen gewissen Schutz gegen Säbelhiebe. Der Kragen und die zweimal umgebundene schwarze Halsbinde verdeckten den Hals bis zur Spitze des Kinns. Der Schnürleib, der den Bauch zusammenzog, hätte im 'Ernstfall Beweglichkeit und Feldtüchtigkeit des Mannes gewiss beeinträchtigt. Mit der Restauration begann man auch, die langen Hosenrohre über die Gamaschen zu tragen. Der Tschako erreichte zuweilen eine unglaubliche Höhe. Wippender Federschmuck, der übergrosse, mehrfarbige Pompon in allen erdenklichen Formen, die Behänge kunstvoll geflochtener Schnüre, die metallene Schuppenkette und die Stirnplatten (Beschlag) verschiedenster Prägung machten ihn zum imposanten Kopfschmuck. Der glatte, runde Deckel verhalf ihm zu seinem schweizerischen Zunamen «Tanzbödeler».

Durch die Grundfarbe des Rockes unterschied sich die Masse der Fussoldaten von den verschiedenen Reitertruppen und den «gelehrten» Waffen, der Artillerie und der Geniewaffe, sowie von den Gesundheitsbeamten, die man später als Sanitätsoffiziere bezeichnete. Die Farbe des Kragens, der Patten am Kragen und auf den Aufschlägen kennzeichnete die Zugehörigkeit zu den einzelnen Einheiten.

In Preussen behielt die Infanterie den traditionellen königsblauen Rock. Die Franzosen trugen den aufgeknöpften graublauen Kaputt über den roten Hosen. Dunkelblau waren auch die Röcke in den meisten Schweizer Kantonen. Einige von ihnen (ebenso Bayern) wählten ein helles Blau.

Die Jäger waren die Nachfolger der französischen leichten Infanterie; sie rekrutierten sich aus flinken Leuten von kleinem Wuchs. Die Scharfschützen bildeten eine schweizerische Spezialtruppe mit einer weittragenden, aber schweren Präzisionswaffe. Sie wurden über alle Kantonsgrenzen hinweg dunkelgrün eingekleidet oder mit dunkelgrüner Abzeichenfarbe ausgezeichnet. Die aus ihnen hervorgegangenen Feld- und Landjäger haben diese Farbe übernommen. Bei der Kavallerie wählte Frankreich für seine schweren Reiter eine dunkelblaue Bekleidung, während Preussen, Österreich und Russland ihre Kürassiere mit weissen Kolletten ausstatteten. Die Artillerie trug fast in allen Staaten die dunkelblaue Uniform mit s scharlachroter Abzeichenfarbe, ausgenommen in Österreich, wo sie die von alters her üblichen braunen Röcke beibehielt. Nach französischem Muster setzten sich goldene und silberne Epauletten als Rangabzeichen zu Beginn des 19. Jahrhunderts allmählich fast überall durch.

Eine völlige Umgestaltung der Uniform brachte der französische Feldzug in Algerien 183o. Hier erwies sich die bisherige Uniform unter den besonderen klimatischen Verhältnissen als unbrauchbar. Deshalb liess man den zugeknöpften Uniformfrack in Frankreich zurück und gab ihn wenig später überhaupt auf. Offiziere hatten ihn schon während der napoleonischen Kriege durch einen bis zu den Knien reichenden, weiten und bequemen Leibrock ersetzt, den man «tunique à jupe» nannte. Die französische Fremdenlegion, deren erster Mannschaftsbestand zum grossen Teil auf die entlassenen Schweizer Regimenter zurückging, erhielt nun dieses neue Kleidungsstück, einen Rock mit glockenförmigen Schössen in der traditionellen dunkelblauen Farbe, den man zu den weiten roten Hosen und kurzen Gamaschen trug. Auch die über der Brust gekreuzten Lederriemen verschwanden; Patronentasche und Säbel hängte man an den Leibgurt. Der schwere Tschako wurde schon 1837 durch eine leichtere, beinahe zylindrische Form ersetzt oder sogar durch eine leichte Tuchmütze mit Augenschirm, «le képi». Diese neue Ausrüstung wurde zum Vorbild nicht nur für die in Afrika und in den Kolonien kämpfenden Truppen. Sie entsprach der neuen Gefechtsweise so gut, dass sie für alle Fusstruppen der französischen Armee eingeführt und später in ähnlicher Form auch von weiteren Staaten, darunter auch der Schweiz, übernommen wurde.

Auch Preussen schritt um 1842/43 zur Neuuniformierung seines Heeres. Neben russischen Vorbildern waren hier besonders Erfahrungen der Befreiungskriege massgebend. Man verzichtete ebenfalls auf den Frack und führte an seiner Stelle den dunkelblauen Waffenrock ein. Dazu trug man die dunkelgraue Hose mit dem roten Vorstoss entlang der Aussennaht. An die Stelle des Tschakos trat 1842 bei der Infanterie die Pickelhaube, ein Lederhelm mit metallener Spitze und Beschlägen, die mancherorts Nachahmung fand. Die deutschen Staaten schlossen sich nach und nach dem preussischen, Vorbild an, wobei Bayern und Württemberg - ein Spiegelbild der politischen Entwicklung - noch am längsten eigene Wege gingen.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts boten die Uniformen der europäischen Staaten einen sehr farbenfrohen Anblick, wobei die schweizerischen zu den bescheidensten und unauffälligsten gehörten. Solange man noch Schiesspulver mit starker Rauchentwicklung verwendete, drängte sich in dieser Hinsicht noch keine Änderung der überlieferten Uniform auf. Die Einführung des Hinterladers, des Patronenmagazins, des rauchschwachen Pulvers, des kleinkalibrigen und weittragenden Gewehrs von grösserer Präzision bedingten jedoch ein neues Verhalten des Soldaten im Gefecht. Nun war eine Truppe in der bisherigen bunten Uniform dadurch im Nachteil, dass der Gegner sie bereits auf weite Entfernung erkennen und unter Feuer nehmen konnte. Auch erlaubte die bisherige Ausrüstung die gesteigerte Beweglichkeit noch nicht, wie sie die enorm verstärkte Wirkung des feindlichen Feuers eigentlich erfordert hätte. Doch ist es nicht mehr die Aufgabe dieses Überblicks, die neuere Entwicklung der Uniform seit der Mitte des 19. Jahrhunderts darzustellen.

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